5. JUNI 2018

hdklassik

Die 2. Folge unserer hd-klassik 3D Binaural Series mit Live-Produktionen des Sinfonieorchesters Wuppertal ist soeben als SACD in 3D-Binaural-Stereo Qualität erschienen:

Berlioz' Symphonie fantastique und Wagner's Tannhäuser-Ouvertüre - aufgenommen in einem der schönsten Konzertsäle Europas, der Historischen Stadthalle in Wuppertal, unter der Leitung von GMD Julia Jones.

 

 

 

 

Sinfonieorchester Wuppertal LIVE Vol. 2

Liebe, Kunst und Gesellschaft – Im 19. Jahrhundert haben sich viele Wertvorstellungen und Muster ausgebildet, die bis heute unsere Wünsche nach leidenschaftlicher, erfüllter Liebe und den mit ihr einhergehenden Fragen nach ihrer Lebbarkeit im Alltag beeinflussen. Dazu zählt das Konzept der Liebesheirat, für die sich die Partner gegenseitig wählen, das Ideal von Monogamie und Treue und viele andere Sehnsüchte, die bekanntlich nicht einfach einzulösen sind und darum Menschen oft in komplexe Gefühlslagen zwingen, in denen manchmal auch Liebe und Wahn nah beieinanderliegen. Dem Künstler – als einer Art Seismologen gesellschaftlicher Befindlichkeit – wurde seit jeher eine Sonderstellung eingeräumt. Ihm wurden leidenschaftlichere Gefühle, die sich über herrschende Konventionen hinwegsetzen können, auch im privaten Leben zugestanden, und sein Leiden an den eigenen, nicht-domestizierten Sehnsüchten prädestinierte ihn dann umso mehr, jene im sozialen Konsens zurückgehaltenen oder verdrängten Leidenschaften in ihrer Tiefe und in ihrer Wahrhaftigkeit bis hin zum Exzess Ausdruck zu verleihen und seinem Publikum dadurch die Katharsis zu ermöglichen.

 

Für die Komponisten Hector Berlioz (1803–1869) und Richard Wagner (1813–1883) lässt sich diese Behauptung in Leben und Werk gut nachvollziehen. Tannhäuser bedeutet den Kampf zweier Prinzipien, die sich das menschliche Herz als Kampfplatz erwählten: Kampf zwischen Fleisch und Geist, Hölle und Himmel, Satan und Gott. (Charles Baudelaire: Richard Wagner und „Tannhäuser“ in Paris, 1861)

 

Richard Wagner war privat wie als Künstler ein leidenschaftlicher und streitbarer wie umstrittener Zeitgenosse. Mit seinem Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg (1842) entwarf er gleich zu Beginn seiner Karriere eine romantische Oper über genau dieses Spannungsfeld von Künstler und Gesellschaft, vom Widerstreit exzessiver triebhafter Gefühle, wie sie sein Protagonist im Venusberg erlebt, mit der „reinen“, selbstlosen, allerdings nicht sinnlich betonten Liebe Elisabeths. Mein Leben ist ein Roman, der mich sehr interessiert. (Berlioz an seinen Freund, den Maler Humbert Ferrand, 12. Juni 1833)

 

Hector BerliozSymphonie fantastique op. 14 heißt mit eigentlichem Titel Épisode de la vie d’un artiste (Episode aus dem Leben eines Künstlers) und war als erster Teil eines Monodrame lyrique Lélio ou le retour à la vie op. 14b angelegt. Die Bezeichnung Symphonie fantastique war lediglich als Untertitel zu verstehen, der anzeigen sollte, dass hier mit der Gattung Sinfonie etwas ganz Neues, und zwar Fantastisches geschehen würde – ein wahrhaftig bahnbrechendes, einzigartiges Werk der Musikgeschichte, durch das Berlioz zum Vorbild für Richard Wagner, Liszt, Dvořák, Mahler oder Schumann wurde.