Marcela Pavia - Max E. Keller

Trio Flair, Lisa Cella, Valentin Johannes Gloor, Esther Flückiger, Duo46, Patrik Kleemola, Gleb Kanasevich, Matt Gould, Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman, Werner Bärtschi, Quadriga Fagott Ensemble

Label: NEOS

Erschienen: 2011

Katalog-Nummer: NEOS CD 11121

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Kurzbeschreibung

Pavias und Kellers Musik ist von kompromissloser Klarheit im Ausdruck, arbeitet aber zugleich mit subtil gestalteten Klangfarben. Es geht um innere Notwendigkeit und Wahrhaftigkeit. Tabus der Avantgarde werden hinterfragt oder gar zum Thema gemacht.

Beschreibung

Trotz verschiedener Herkunft ist die Musik von Marcela Pavia und Max E. Keller von kompromissloser Klarheit im Ausdruck, die auch vor harten Schnitten und aggressiven Gesten nicht zurückschreckt, aber zugleich mit subtil und innovativ gestalteten Klangfarben arbeitet. Keine unverbindliche Beliebigkeit: Es geht um innere Notwendigkeit und Wahrhaftigkeit, artikuliert öfter in insistierenden, bohrenden Wiederholungen mit entwickelnder Variation. Tabus der Avantgarde wie die Vermeidung des spürbaren Pulses werden hinterfragt oder gar zum Thema gemacht.


Marcela Pavia


Außer Nayla entstanden alle Werke auf dieser CD erst vor kurzem als Auftragswerke der Interpreten, die sie auch eingespielt haben. Ihre musikalische Sprache hat eine Gemeinsamkeit: die Erforschung der Klangfarbe auf unterschiedlichen Wegen. So werden bestimmte Texturen im Sinne komplexer Klänge und verschiedenartiger Erscheinungsformen von Resonanz verwendet, woraus eine Mischung aus Intervallen und spektralen Feldern entsteht. Dies wiederum ergibt eine Vielzahl poetischer Bedeutungen. Klang generiert Form sowohl auf einer Mikro- wie auch auf einer Makro-Ebene.
Manchmal erzeugen komplexe Klänge einen regelmäßigen Puls, sie können sogar in einem Solowerk wie Nayla entstehen, indem Tempo und lineare Polyphonie ein einzigartiges Spektrum hervorbringen, was dem Zuhörer ermöglicht, Wellen und Schwingungsbänder phänomenologisch wahrzunehmen. Andererseits macht die Resonanz, welche verschiedene Stufen der Wahrnehmung hervorruft, die Übereinstimmung oder die Diskrepanz zwischen der Resonanz (die Töne, welche weiterklingen und so zum Spektrum werden) und der linearen Bewegung hörbar. Andere charakteristische Gemeinsamkeiten betreffen die gestische Wichtigkeit von ›Klang-Objekten‹, aber auch deren Bedeutung als Moment in der realen Zeit. Die formale Entwicklung ist oft spiralartig, gekennzeichnet durch starke rhythmische Bewegung, obsessive syntaktische Figuren und wiederkehrende Tongruppen.


Flair ist dem Trio Flair gewidmet. Es ist ein Akronym, das sich aus den Konsonanten der drei Nachnamen der Interpreten (Flückiger/Läderach/Rütsche) herleitet. Das Wort lässt viele unterschiedliche Konnotationen zu, sowohl im Englischen wie auch im Deutschen. Einige passen gut zum Ensemble, wie z. B. Naturtalent, Begabung, Fähigkeit, Stilsicherheit, Auftreten oder Wahrnehmungsschärfe und Urteilskraft. Ganz allgemein ist es eher die flexible Natur dieses Wortes, das die Seele des Trios widerspiegelt.


Nayla ist ein alter arabischer Name mit einem besonderen Klang, der den Namen einer alten Gottheit beschwört, die aus einem fernen Ort kommt. Solche und eine Überfülle anderer Schattenbilder strömen aus diesem mächtigen Ahnen-Symbol. Lisa Cella nahm die Herausforderung eines widerspenstigen Stückes an, das dem Interpreten keine Atempause gestattet und dem Zuhörer keine Chance gibt, dem Strudel von Noten zu entkommen, die allmählich in Spektren ausreifen.
Per un addio basiert auf  der dritten Strophe des gleichlautenden Gedichts von Gabriela Fantato. Die Komposition ist Esther Flückiger gewidmet, die – abgesehen von ihrer großartigen musikalischen Begabung – auch weiß, wovon das Gedicht handelt.


Los senderos que si bifurcan (dem Duo46 gewidmet) ist auch eine Metapher auf die dialektische Beziehung zweier Instrumente (Violine und Gitarre) sowie auf die Interpreten selbst. Die entrückte Schönheit von Matt Goulds Flageoletts und die beinahe sprichwörtliche Modulationsfähigkeit von Beth Schneider bringen einen lebhaften Dialog zustande, wie nur sie es vermögen.


The Banshee’s Keen ist das vierte Stück aus einem Zyklus, dessen poetische Idee jene Feen herbeibeschwört, die auf den Britischen Inseln leben. Die Behandlung der Resonanz in unterschiedlicher Weise ist das allgemeine technische Charakteristikum des Werkes, das Patrik Kleemola gewidmet ist. Es ist eine Hommage auf dessen musikalisches Talent und Einfühlungsvermögen.


Amancay ist der Name einer argentinischen Blume, die in Patagonien wächst. Das Stück erinnert an die rhythmischen Muster der Volksmusik für Gitarre, die sich beständig mit den Linien der Klarinette verstricken. Das Stück ist Matt Gould gewidmet, und es ist bewundernswert, wie er mit enormer rhythmischer Sensibilität die unentwegte dialektische Herausforderung des Klarinettisten Gleb Kanasevich annimmt.


Marcela Pavia


Max E. Keller


tenuto, battuto, fulminante für Symphonieorchester (2001)
Der pulsierende Rhythmus ist in der Musik ein Archetypus, den die Avantgarde lange Zeit verbannt hat. Umso bestimmender wurde er in der populären Musik – auch im ›Swing‹ des Jazz ist der Puls wesentlich. tenuto, battuto, fulminante meidet ihn nicht, sondern stellt ihn ins Zentrum, in Kontrast zum ausgehaltenen Klang. Das Tenuto entsteht in den Extremlagen, bewegt sich im Verlauf des Werkes auch gegen die Mitte hin, zieht sich aber immer wieder in die Randregionen zurück. Das pulsierende Gegenprinzip artikuliert sich in rhythmischen Mustern, die von einer zarten, kaum hörbaren ›Färbung‹ der Liegeklänge bis zum vollklingenden Tutti reichen, oft in mehrfacher Überlagerung. Beide Pole sind mit größter struktureller und klanglicher Differenzierung  gestaltet, wobei die Kombination der Instrumente auch ungewöhnliche Wege geht. Ein drittes Grundelement sind rasche, laute Laufbewegungen, die wie Blitze (fulmine) aus heiterem Himmel unerwartet niederfahren, das Geschehen unversehens in ein anderes Licht tauchend.


Selbstgespräche für Klavier und Live-Elektronik (2006)
Immer öfter ist heute eine Maschine der Gesprächspartner des Menschen, so auch in Selbstgespräche. Ein kleines, digitales Gerät ist direkt auf dem Flügel postiert und wird vom Pianisten selber vorwiegend mit zwei Fußpedalen bedient. Das Gerät verändert, verformt und repetiert das, was der Pianist auf dem Flügel spielt, der Pianist wiederum greift seinerseits in diese Klangumformung ein. Der computerisierte Gesprächspartner des Pianisten ist vom Komponisten programmiert, er kann nicht frei antworten und ist somit nur scheinbar ein Partner, eher ein alter ego: Selbstgespräche. Der Klavierpart besteht aus wenigen, einfachen Grundelementen, die sich variiert in immer neue Konstellationen begeben und die durch die Elektronik in wechselndes Licht gesetzt werden – ein in sich kreisendes und doch sich veränderndes Gespräch über die immer gleichen Themen und Fragen.


Cinque für Fagottquartett (2008)
Wie kann ein Quartett zum Titel Cinque (fünf) kommen? Die Form besteht aus fünf Grundstrukturen, die als Sequenz fünfmal wiederholt werden. Die Zeitstruktur, dieser Form überlagert, besteht aus fünf verschiedenen Dauern. Damit ist aber nur der äußere Raster für die Musik beschrieben. Die vier Fagotte agieren zumeist als Kollektiv, sich verstärkend, sich vervielfachend bis zu multiphonen Klängen, sich ergänzend, sich ausweitend, kraftvoll sich überlagernd; in ungestümem Temporitt, in nervöser Hektik, aber auch mit großer Ruhe. Und indem sie derart intensiv zusammenwirken, entsteht etwas Neues, aus den Vieren ein Fünftes.


Trio fluido für Violine, Violoncello und Klavier (2009)
Drei sehr unterschiedliche Elemente sind es, welche im weitesten Sinne fließen: ausgehaltene Klänge, weitgesponnene Melodien und eine oft repetierte Floskel aus Schweizer Ländlermusik. Alle diese Elemente werden stark variiert und überlagert. Die Tenuti beginnen sich zu bewegen, bekommen rhythmische Überformungen, werden geräuschhaft. Die Melodien gehen in exaltierte Sprünge über, erhalten neue Klangfarben, zerstäuben in rasende Läufe. Die triviale Ländlerfigur dreht sich überlang, wird mit schrägen Akzenten versehen, wird ins Atonale verzogen. Gelegentlich tauchen kurze, teils heftige Gegen-figuren auf, aus denen sich der improvisatorische Schluss formt, welcher in eine andere Welt führt.



Max E. Keller

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Marcela Pavia - Max E. Keller

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1) Flair (2009)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Trio Flair
7:37
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2) Nayla (1993)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Lisa Cella
4:05
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3) Per un addio (2009)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Valentin Johannes Gloor, Esther Flückiger
3:36
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4) Los senderos que se bifurcan (2007)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Duo46
7:18
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5) The Banshee's Keen (2009)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Patrik Kleemola
5:42
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6) Amancay (2001)
Komponist: Marcela Pavia (1957-)
Interpret(en): Gleb Kanasevich, Matt Gould
5:50
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7) tenuto, battuto, fulminante (2001)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman
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8) tenuto, battuto, fulminante (2001)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman
4:41
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9) tenuto, battuto, fulminante (2001)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman
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10) tenuto, battuto, fulminante (2001)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman
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11) Selbstgespräche (2006)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Werner Bärtschi
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12) Cinque (2008)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Quadriga Fagott Ensemble
5:58
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13) Trio fluido (2009)
Komponist: Max E. Keller (1947-)
Interpret(en): Trio Flair
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Gesamtspielzeit  75:26  
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